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Unilever Dermatologenpreis 2010

Wien - Prämiert wurden Forschungsarbeiten zur Hauterkrankung Epidermolysis bullosa – erstmals Grundstein für eine heilende Gentherapie für Schmetterlingskinder“ gelegt.

Unilever prämiert bereits zum 38. Mal die bedeutendsten Forschungsarbeiten im Bereich der Dermatologie. Heuer geht der mit 5.200 Euro dotierte Unilever Dermatologenpreis an Dr. Eva Murauer und Dr. Verena Wally (beide an der Universitätsklinik für Dermatologie in Salzburg) für ihre Forschungstätigkeit in Zusammenhang mit der Krankheit Epidermolysis bullosa.

Menschen mit Epidermolysis bullosa (EB) – besser bekannt unter „Schmetterlingskinder“ – haben eine Haut, die so verletzlich wie die Flügel eines Schmetterlings ist. Bislang galt die Krankheit als unheilbar – mit ihren Erkenntnissen legen die beiden Forscherinnen den Grundstein für eine heilende Gentherapie. Der Unilever Dermatologenpreis ist die bedeutendste österreichische Auszeichnung auf dem Gebiet der Dermatologie und wird jährlich für herausragende Arbeiten verliehen.

Rund 500 Menschen in Österreich (und europaweit rund 30.000) müssen mit dieser schwerwiegenden, genetisch bedingten Hauterkrankung, die bisher als unheilbar galt, leben. Schon bei geringster mechanischer Belastung bildet die Haut Blasen oder reißt. Ursache dafür ist die mangelhafte Verankerung von Hautschichten. Die Folge sind Blasen und Wunden am ganzen Körper aber nicht nur "außen" sondern z.B. auch im Mund, an Schleimhäuten, in den Augen und im Verdauungstrakt.

„Forschung und Entwicklung in Österreich voranzubringen, liegt Unilever ganz besonders am Herzen. Wie wichtig dies ist, zeigt der heurige Unilever Dermatologenpreis: Bislang galt Epidermolysis bullosa – laut EU-Definition eine sogenannte seltene Krankheit – als unheilbar. Nun wurde mit den prämierten Arbeiten erstmals die Basis für eine heilende Gentherapie geschaffen“, sagt Ing. Gerhard Gribl, Unilever Austria. „Dazu gratulieren wir Dr. Eva Murauer und Dr. Verena Wally sehr herzlich.“ Eva Murauer und Verena Wally forschen im EB-Haus der Universitätsklinik für Dermatologie in Salzburg.

Entwicklung einer Gentherapie

Alle Formen der vererbten Hautkrankheit Epidermolysis bullosa, unter welcher die „Schmetterlingskinder“ leiden, sind bis heute unheilbar. „Mit unseren Arbeiten haben wir den Grundstein für eine heilende Gentherapie für EB-Betroffene gelegt. Basierend auf unseren Ergebnissen kann eine sogenannte ex vivo-Gentherapie entwickelt werden. Dabei werden körpereigene Hautzellen im Labor vermehrt und mit dem Reparatur-Baustein behandelt“, erklärt Dr. Eva Murauer. Anschließend lässt man die Zellen zu einer hauchdünnen Hautschicht wachsen, welche als Transplantat auf wunde Hautareale verpflanzt wird. 

„Die transplantierten Zellen sollten sich in der natürlichen Umgebung der Haut zu einer normal differenzierten Haut weiterentwickeln, und das bis dato fehlende Protein wieder herstellen“, ergänzt Dr. Verena Wally. Daher kommt es nicht nur zur Schließung der Wunde auf den behandelten Hautarealen sondern auch zu keiner neuen Blasen- und Wundbildung, da die „neue“ Haut die Festigkeit von gesunder Haut hat.

Die prämierten Arbeiten im Detail

In der für den Unilever Dermatologenpreis ausgezeichneten Arbeit „Functional correction of type VII collagen expression in dystrophic epidermolysis bullosa“ von Dr. Eva Murauer wurden mit Hilfe einer speziellen Form der Gentherapie Hautzellen von Patienten mit Dystropher Epidermolysis Bullosa (DEB) im Reagenzglas vollständig geheilt.

Ursache von DEB sind vererbte Veränderungen im Kollagen 7 Gen. Das von diesem Gen erzeugte Kollagen 7-Protein sorgt in gesunder Haut für den Zusammenhalt der einzelnen Schichten, welcher bei DEB-Betroffenen gestört ist. Dadurch kommt es bereits bei geringer mechanischer Einwirkung zur Blasenbildung verbunden mit starken Schmerzen. 

„Wir haben im EB-Haus in Salzburg die sogenannte `trans-splicing`-Gentherapie entwickelt, mit der gezielt der veränderte Gen-Abschnitt in der Hautzelle durch einen korrekten ausgetauscht werden kann. Speziell für das Kollagen 7 Gen haben wir einen Reparatur-Baustein konstruiert, welcher für den punktgenauen Austausch eines Abschnittes des Kollagen 7 Gens in der Zelle sorgt“, sagt Dr. Eva Murauer. 

Dieser Reparatur-Baustein wurde erfolgreich in Hautzellen von DEB-Betroffenen eingeschleust. Infolge dessen konnte von dem korrigierten Gen wieder ein intaktes Kollagen 7 Protein hergestellt werden. „Darüber hinaus haben wir mit den reparierten Zellen im Labor eine künstliche Haut gezüchtet, in welcher der Zusammenhalt der Schichten wiederhergestellt war“, so Murauer.

„Gen-Schere“ als Reparaturmethode

Veränderte Gene sind die Ursache für das Leiden der Schmetterlingskinder. Vor allem bei sogenannten dominanten Gen-Defekten, wo bereits ein geringer Teil an verändertem Genmaterial ausreicht, um ein Krankheitsbild auszulösen, gibt es noch keine Therapie.

Bisher wurden bereits viele verschiedene Gentherapiemethoden entwickelt. Meist wird dabei das fehlende oder defekte Gen einfach in gesunder Form in die betroffenen Körperzellen eingebracht. „Dies hat allerdings den Nachteil, dass dann sowohl veränderte als auch gesunde Gene vorhanden sind. Bei dominanten Erkrankungen hat aber das kranke Gen soviel Macht, dass auch dessen eingebrachte gesunde Kopie keine Heilung bringen kann“, erklärt Dr. Verena Wally. Das Keratin 14 Gen ist eines dieser dominanten Gene. 

Bei der von Dr. Wally – im Rahmen ihrer Forschungsarbeit „K14 mRNA reprogramming for dominant epidermolysis bullosa“ – entwickelten „Genschere“ handelt es sich hingegen um eine Reparaturmethode. Dafür wird ein Molekül gebaut, das den veränderten Teil eines Gens herausschneiden und durch einen gesunden ersetzen kann.

„Dabei schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, denn es wird sowohl die Menge des kranken Gens verringert und gleichzeitig die Menge des gesunden Gens erhöht. Des Weiteren kann es zu keinem Genüberschuss kommen, was wiederum oftmals zu Problemen führen kann“, so Wally. Dass diese Methode Erfolg versprechend ist wurde in der prämierten Arbeit gezeigt. Sowohl die Menge des von den behandelten Zellen hergestellten gesunden Keratin 14 Proteins als auch das Verhalten der Zellen ähneln wieder deutlich dem gesunder Zellen.

Für Rückfragen:

Unilever Austria GmbH
Stella-Klein-Löw-Weg 13
A - 1023 Wien

+43 (0)1 605 35 721
mediarelations.at@unilever.com

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