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Unilever-Wissenschaftlerin bei der Untersuchung von Papierverpackungen in einem Forschungs- und Entwicklungslabor.

Unilever tritt Konsortium bei, um flexible Verpackungen auf Papierbasis voranzutreiben

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Die Mitglieder des PaperFlex-Konsortiums, das von der Ellen MacArthur Foundation ins Leben gerufen und von (RE)SET unterstützt wird, bündeln ihre Kräfte, um alternative Lösungen für flexible Kunststoffverpackungen zu entwickeln. Pablo Costa, Global Head of Packaging bei Unilever, erläutert die Hintergründe.

Pablo Costa, Global Head of Packaging bei Unilever, der für die Verpackungsstrategie und -innovation verantwortlich ist.
Pablo Costa, Global Head of Packaging bei Unilever
Pablo, kannst du uns zunächst etwas über die Idee hinter dem PaperFlex-Konsortium erzählen?

Ziel der Partnerschaft ist es, die Entwicklung und Einführung von flexiblen Verpackungen auf Papierbasis voranzutreiben.

Im Fokus stehen insbesondere Märkte, in denen viele flexible Kunststoffverpackungen verwendet werden, Sammel- und Recyclingsysteme aber nur begrenzt verfügbar sind. Deshalb wird das Konsortium an Alternativen arbeiten, die mit einem weiteren Ausbau der Sammel- und Sortiersysteme recycelbar sind und biologisch abbaubar, falls sie unbeabsichtigt in die Umwelt gelangen.

Unilever gehört gemeinsam mit fünf weiteren internationalen Konsumgüterherstellern zu den Gründungsmitgliedern der Initiative. Anstatt dieselben technischen Herausforderungen getrennt voneinander anzugehen, sehen wir in der Zusammenarbeit die Chance, schneller größere Fortschritte zu erzielen.

Die Entwicklung papierbasierter Verpackungen ist anspruchsvoll: Sie müssen Produkte schützen, ihre Haltbarkeit gewährleisten, komplexen Lieferketten standhalten und sich effizient in der Produktion verarbeiten lassen. Daher zählen papierbasierte Alternativen heute zu den technisch anspruchsvollsten Bereichen der Verpackungsinnovation.

Das Konsortium baut auf den aktuellen Erkenntnissen der Ellen MacArthur Foundation zu papierbasierten flexiblen Verpackungen auf. Diese zeigen, dass derzeit noch eine große Lücke zwischen den verfügbaren Technologien und dem Ziel, recycelbare und kompostierbare flexible Materialien zu entwickeln, besteht.

Wie genau werden die Mitglieder zusammenarbeiten?

In diesem offenen und freiwilligen Konsortium arbeiten wir gemeinsam daran, flexible Verpackungen auf Papierbasis zu entwickeln, die den Anforderungen an Leistung, Skalierbarkeit und Kosten entsprechen. Gemeinsam werden wir Versuche mit Technologien entwickeln, finanzieren und erproben, die Produktschutz, Haltbarkeit und Benutzerfreundlichkeit gewährleisten, und gleichzeitig testen, wie sich die Materialien in der Produktion verarbeiten lassen.

Durch die Bündelung der Forschungs- und Entwicklungsinitiativen können wir Doppelarbeit vermeiden, vielversprechende Innovationen schneller weiterentwickeln und den Verbraucher*innen früher alternative Lösungen anbieten.

Darüber hinaus soll das Konsortium Unternehmen dabei unterstützen, die weltweit zunehmenden Anforderungen im Bereich der Verpackungsregulierung zu erfüllen.

Ein Materialwissenschaftler von Unilever testet Papierverpackungen mithilfe eines Laborgeräts.
Welche Vor- und Nachteile hat die Verwendung von Papier für Verpackungen?

Papier ist derzeit das einzige Verpackungsmaterial, das in großem Umfang recycelt und kompostiert werden kann. Gleichzeitig ist Papier allein als Verpackungsmaterial nicht ausreichend. Es bietet nur einen begrenzten Schutz vor Feuchtigkeit oder anderen äußeren Einflüssen, reißt in industriellen Produktionsumgebungen leicht und ist bei Versiegelung von Verpackungen eine Herausforderung.

Aus diesem Grund benötigen viele papierbasierte Verpackungslösungen heute eine dünne Kunststofffolie, die als Barriere dient, die Verpackung versiegelt und ihren Inhalt schützt. Diese Eigenschaften sind für flüssige Produkte wie Waschmittel und Shampoo besonders wichtig.

Papier so zu entwickeln, dass es dieselben Eigenschaften wie Kunststoff aufweist, ist eine der technisch komplexesten Herausforderungen, vor denen unsere Forschungs- und Entwicklungsteams heute stehen.

Was hat Unilever bereits gegen dieses Problem unternommen?

Um unsere Innovationen bei papierbasierten flexiblen Verpackungen voranzutreiben, haben wir unsere Investitionen in die Verpackungsforschung und -entwicklung in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. Mit einem Team aus über 60 Wissenschaftler*innen arbeiten wir an der nächsten Generation papierbasierter Materialien mit innovativen Beschichtungstechnologien.

Bislang haben wir mehr als 3.000 neue Materialien und Technologien bewertet, darunter auch solche aus anderen Branchen, etwa der Pharma- und Elektronikindustrie, die derzeit noch nicht für Verpackungen eingesetzt werden.

Dazu gehören biobasierte und mineralische Materialien wie pflanzliche Proteine oder ultradünne, kunststofffreie Beschichtungen, die aus natürlich vorkommenden Verbindungen wie Siliziumdioxid gewonnen werden.

Es gibt keine Universallösung. Innovationen müssen auf das jeweilige Produkt, die lokalen Rahmenbedingungen und sogar auf den Aufbewahrungsort im Haushalt zugeschnitten sein. So muss beispielsweise eine Seifenverpackung, die im Badezimmer aufbewahrt wird, einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit standhalten.

Ebenso wichtig ist es, sicherzustellen, dass die verwendeten Papierfasern aus nachhaltigen Quellen stammen, damit neue Lösungen nicht unbeabsichtigt andere ökologische Herausforderungen schaffen.

Ein Wissenschaftler aus der Forschung und Entwicklung von Unilever führt in weißem Laborkittel und grünen Handschuhen eine Papierverpackungsprobe in eine Maschine ein.
Hat Unilever bereits Lösungen im Handel?

Wir verfügen über eine Reihe flexibler Technologien auf Papierbasis, die derzeit auf den Markt gebracht werden.

So haben wir beispielsweise in Großbritannien recycelbare, papierbasierte Verpackungen für Knorr-Brühwürfel eingeführt. Da Brühwürfel Fett enthalten, muss die Verpackung verhindern, dass Fett das Papier durchdringt oder verfärbt. Anderenfalls könnte dies die Verpackung und damit die Haltbarkeit beeinträchtigen.

Dabei geht es nicht um einen einfachen Materialwechsel, sondern um eine vollständige Umgestaltung der Lieferkette.

Wir mussten unsere Produktionsanlagen anpassen, damit die gefalteten Papierverpackungen zuverlässig auf unseren Produktionslinien verarbeitet werden können.

Entscheidend ist, dass uns diese ersten Markteinführungen dabei helfen, unsere Lieferkette umzustellen, unsere Produktionslinien anzupassen und zu verstehen, wie Verbraucher*innen auf die neuen Verpackungen reagieren.

Warum ist das PaperFlex-Konsortium so wichtig?

Damit recycelbare und kompostierbare flexible Verpackungen auf Papierbasis wirtschaftlich tragfähig werden, bedarf es eines grundlegenden Wandels in der Verpackungsindustrie, eines gemeinsamen Wissensaustauschs und entsprechender Skaleneffekte.

Kein einzelnes Unternehmen kann die Hürden bei Kosten, Infrastruktur und Skalierung allein bewältigen.

Kooperationen und Partnerschaften sind von entscheidender Bedeutung, damit Lösungen schneller auf den Markt gelangen, gemeinsam eine größere Wirkung erzielen und die Kosten langfristig gesenkt werden können.

Bildmaterial des PaperFlex-Konsortiums mit den Logos von Colgate-Palmolive, Mars, Nestlé, PepsiCo, Procter & Gamble und Unilever.

Häufig gestellte Fragen

  • Was ist das PaperFlex-Konsortium und welche Aufgaben wird es übernehmen?

    Zu den Gründungsmitgliedern des PaperFlex-Konsortiums, das von der Ellen MacArthur Foundation ins Leben gerufen und von (RE)SET unterstützt wird, gehören Colgate-Palmolive, Mars, Nestlé, PepsiCo, Procter & Gamble und Unilever. Ziel ist es, die Entwicklung und Skalierung verantwortungsvoll konzipierter flexibler Verpackungen auf Papierbasis durch gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsarbeit voranzutreiben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Märkten, in denen Sammel- und Recyclingsysteme derzeit nur gegrenzt vorhanden sind.

    Langfristig sollen Verpackungslösungen entwickelt werden, die sowohl recycelbar als auch biologisch abbaubar sind.

  • Was sind papierbasierte flexible Verpackungen und wie funktionieren sie?

    Flexible Verpackungen auf Papierbasis sind ein innovatives, recycelbares und kompostierbares Material, das herkömmliche Kunststofffolien in Produktverpackungen ersetzen soll. Sie kombinieren nachhaltig gewonnene Papierfasern mit modernen Beschichtungen, um Produkte zuverlässig zu schützen und die Haltbarkeit zu sichern.

    Damit könnten sie künftig für zahlreiche Produkte des täglichen Bedarfs eingesetzt werden, beispielsweise im Lebensmittel- sowie im Körperpflegebereich.

  • Welche technischen Herausforderungen gibt es bei Einführung papierbasierter flexibler Materialien?

    Papier verfügt von Natur aus nicht über alle Eigenschaften, die moderne Verpackungen benötigen. So bietet es beispielsweise nur begrenzten Schutz vor Feuchtigkeit, Sauerstoff oder anderen äußeren Einflüssen und lässt sich nicht so einfach verschließen wie Kunststoff.

    Technische Lösungen erfordern spezielle Beschichtungen und Anpassungen der Maschinen. Um diese Innovationen in großem Maßstab umzusetzen, sind gemeinsame Investitionen in Forschung und Entwicklung erforderlich, die über die Möglichkeiten eines einzelnen Unternehmens hinausgehen.

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